tradice-a-zvykosloviDie südmährische Slowakei, das Gebiet zwischen den Städten Hodonín und Břeclav, zählt zu den sehr interessanten, altertümlichen völkerkundlichen Regionen.

Der geräumigste Teil dieser Gegend wird von jeher Podluží genannt. Der Name wurde von dem typischen Merkmal der hiesigen Landschaft – von den stehenden Gewässern, hier als „luže“ bezeichnet, abgeleitet. Podluží ist also eine Landschaft unter den Auenwäldern in der südlichsten Spitze Mährens auf dem rechten Ufer des Flusses March (Morava) vor dem Zusammenfl uss mit dem Fluss Thaya (Dyje). Abwechslung und Vielfalt verleihen auch die Gemeinden der Nachbarregionen der südmährischen Slowakei – Čejkovice gehört in das Gebiet der hannakischen Slowakei, Ratíškovice und Dubňany stellen die Region Kyjovsko dar und nicht zuletzt die eigenständige Gemeinde Rohatec. Was jedoch am meisten bis heute mit diesen Regionen verbunden wird, sind eben die reichen Traditionen der Volkskultur. Insbesondere die Schönheit der Trachten aus Podluží, die Perfektion und Buntheit ihrer Stickereien fesselten die Aufmerksamkeit der Sammler sowie der Fachleute bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Obwohl man die größten Schätze der Volkskultur und Kunst nun in den Museen findet und bewundert, bietet die südmährische Slowakei eine authentische Fortsetzung und ein aufmerksamer Besucher erkennt ihre Erscheinungen auf jedem Schritt. Warum soll man also ankommen, und was bieten die hiesigen völkerkundlichen Regionen?

Fast jede Gemeinde bewahrt sorgfältig die Denkmäler der Volksarchitektur auf, und so verzieren der weiße Kalkputz, der blaue  Trradiittiion und Brrauchttum Dorfjugend aus Tvrdonice in Festtrachten im völkerkundlichen Gelände Sockel sowie die bunte Skala der Pflanzenornamente mit dem typischen Herzchen oder Äpfelchen aus Podluží bis heute die mährischen Bauden, die Martersäulen, Kapellen oder Weinkeller und Bauden. Die herrliche Landschaft der Gemeinden um die Auenwälder wurde seit jeher mit der landwirtschaftlichen Tätigkeit geformt und insbesondere der Weinbau verleiht ihr ein einzigartiges Gepräge. Der Riesling aus der Gemeinde Dolní Bojanovice wurde doch auch beim Kaiserhof in Wien serviert und die gegenwärtigen neuen Rebsorten ernten ihren Erfolg und die Preise bei den verschiedensten Ausstellungen. Übrigens, der Weinbau und die Weinkultur dringen durch das ganze Folkloreleben der Region durch, das mit Liebe nicht nur von den älteren, aber was erfreulich ist, auch von den jüngsten Generationen erhalten wird. Der Fasching, die Trachtenbälle, Kirchweihfeste, Vergnügen bei Zimbelmusik oder Folklorefestivals als völkerkundlichen Feste Podluží im Lied und Tanz in Tvrdonice stellen die gegenwärtige Entwicklung der Trachte, der Zimbelmusik und vor allem des Volkstanzes dar. Den hohen Wert des typischen mährisch-slowakischen Tanzes „verbuňk“ und seinen unvertretbaren Platz in der Weltkulturerbschaft beweist auch die Aufnahme in die UNESCO Liste.

Die den weiteren Generationen übergebenen Volkstraditionen, das einzigartige Gepräge der Weingemeinden, die sprichwörtliche Gastfreundlichkeit, gute mährisch-slowakische Küche und der Wein sind die Gründe, warum man diese südlichste Ecke der Tschechischen Republik besuchen soll. „Also willkommen!“

Das Leben in einer Gemeinde in der mährischen Slowakei hatte seinen gesetzmäßigen Rhythmus mit abwechselnden All- und Festtagen, verging nach den regelmässig wiederholenden Jahreszeiten und in Einklang mit dem liturgischen Kalender. Es wurde mit verschiedenen Gebräuchen und Zeremonien oft mit einem sehr alten, bis vorchristlichen Ursprung beschönigt, die den Einwohner von der Wiege bis zur Bahre begleiteten. Selbst wenn sich bis zu heutigen Tagen nur ein Fragment dieser Volksfeste und Gebräuche erhielt, gelingt es in den letzten Jahren dank der Tätigkeit der hiesigen mährisch-slowakischen Zirkel, der Dorfjugend in Trachten und völkerkundlichen Ensembles, diese zu erhalten und zu entwickeln. Und was aus dem Brauchtum überlebt also heutzutage in der mährischen Slowakei?

Die ersten Monate im Jahr sind im Zeichen der Unterhaltungen, Trachtenbällen, Schlachtfesten und dieser Zeitraum hat seinen Höhepunkt im üppigen Fasching – dem Fastnachtzug der Tänzer, Musiker und a Fastnachtmasken (Bär, Ziege, Pferd, Zigeuner, türkische Motive). Bisher kann man in einigen Gemeinden auch den altertümlichen Tanz der ledigen Jungs „pod šablema“ (unter den Säbeln) sehen, wo die Hausfrauen bei einzelnen Halten Speckstücke, Faschingskrapfen und weitere Leckerbissen auf die Säbel (jetzt nur noch aus Holz) spießen. Die üppige Fröhlichkeit endet mit dem „pochování basy“ (die Bassgeige wird zu Grabe getragen).

Mit Mittfasten beginnt in der katholischen Tradition die 40-tätige Fastenzeit vor Ostern. Aus den weiteren Gebräuchen des Osterzyklus erhielt sich dank den völkerkundlichen Ensembles stellenweise der Brauch, bei dem eine in ein altes Kleid gekleidete Strohpuppe, die Morana aus der Gemeinde öffentlich in einer Prozession umhergetragen und anschließend verbrannt oder ins Wasser geworfen wird. Dadurch soll der Winter endgültig ausgetrieben und der Frühling ausgelöst werden. In der Heiligen Woche werden süße Judaskuchen am Aschermittwoch gebacken, und am Gründonnerstag und Karfreitag ziehen die Knaben mit hölzernen Ratschen oder Klappern durch die Gemeinde, um die Kirchenglocken zu ersetzen, die in dieser Zeit nicht läuten. Die Ernsthaftigkeit und das Fasten werden mit einem feierlichen Gang der Jungs sowie verheirateten Männer am Ostermontag ersetzt. Die Trachtengruppen gehen einzelne Häuser um, wo die ledigen Mädels leben, und schlagen diese „symbolisch“ mit einer Art handgemachten Rute aus Weidenreisig, die mit bunten Bändern geschmückt ist. Im Gegenzug schenkt die Frau dem Mann die traditionell bemalten Eier und man wird reich bewirtet.

Im Mai erscheinen vor den Fenstern der Häuser der ledigen Mädels die schlanken Maibäume mit verzierten Wipfeln als Gunstbeweis der verliebten Jungs.

Die Sommermonate sind dann im Zeichen der ersten Volksfeste. Damit sind die meisten erhaltenen Gebräuche verbunden und heutzutage ist dies das größte gesellschaftliche Ereignis und ein Schau der traditionellen Trachten und der Musikkapellen. Um das Fest kümmern sich die im Winter ausgewählten Altgesellen. Das Fest beginnt mit einem Trachtenvergnügen, dann folgen das Maibaumaufstellen, ein reicher Umzug und das Tanzvergnügen.

Bis heute fehlen hier nicht einmal das Vergnügen der männlichen Jugend am Montag, das Dienstagsprogramm der verheirateten Frauen oder das kleine Abschlussfest. Dieses Fest ist selbstverständlich eine Angelegenheit, die neuen Trachtenteile zu beschaffen, es gehören dazu aber auch das Großreinemachen der Haushalt, die Zubereitung von typischen Kolatschen und allen traditionellen Festgerichten.

Die Arbeit und das Leben der Weinbauer verzichteten auch nicht auf das Gesang, die Erzählung und die altertümliche Zeremonien, die die Weinberge schützen und die Qualität sowie die Menge Wein sicherstellen sollen. Zu den bedeutendsten gehört die Winzerzeremoniell „zarážaní hory“ (Weinbergschließung). Es ist eine Zeremonie, wo die Weinberge zur Zeit der Ausreifung von Trauben geschlossen werden und mit Vorlesen der Rechte verbunden sind. Es geschieht ab Mitte August bis Mitte September. Die letzten Volksfeste müssen am 25. November am Tag der hl. Katharina enden, danach folgt bereits die vierwöchige Adventszeit, die den Weihnachten vorgeht.

loga